Pressemitteilung: Neue Herausforderungen und Chancen der Integration

Besuch von Integrationsministerin Katharina Binz im „Interkulturellen Bildungs- und Begegnungszentrum Oberstadt (IBBO)“ der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Oberstadt (ÖFO) e.V. am 29.09.2021 in Mainz

Gründlich befasst sich Integrationsministerin Katharina Binz mit den Praxisfeldern ihres Ministeriums. Um sich einen Einblick in die Praxis der Arbeit zu verschaffen und das Engagement der ÖFO e.V. kennenzulernen besuchte sie am 29.09.2021 das „Interkulturelle Bildungs- und Begegnungszentrum Oberstadt (IBBO)“.

„Insbesondere im Bereich der Zuwanderung ergeben sich heute neue Herausforderungen und Chancen. Öffentlich wird vor allem über Flüchtlinge diskutiert. Das gibt ein schiefes Bild der aktuellen Zuwanderung: Nur knapp 10 % der Zuwanderer sind Flüchtlinge. Die Einwanderung nach Deutschland besteht zu zwei Drittel aus der Europäischen Union. Überwiegend neue Arbeitskräfte kommen. Und die Flüchtlinge verteilen sich auf die ganze Welt: Ratsuchende aus Lateinamerika mehr als früher aus Asien und neuerdings auch aus Osteuropa, kommen ins IBBO“, erklärt Prof. Dr. Franz Hamburger, Vorstandsmitglied der ÖFO e.V. den Anwesenden.

Für diese Verschiedenheit gibt es kein Patentrezept. Deshalb haben die Mitarbeiter:innen und Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe gleich neun Kurzberichte über die Aktivitäten im IBBO aufgeboten. Beratende Vermittlung in den Arbeitsmarkt und eine ganzheitlich ansetzende Beratung für alle Fragen des täglichen Lebens – das sind zwei Grundpfeiler der Arbeit. Sprachkurse und begleitende Unterstützung sowie Bildungsbegleitung von Schülern und Schülerinnen, Auszubildenden verschiedener Berufe und Erwachsenen sind ein drittes Standbein. Alle diese Angebote werden intensiv nachgefragt. Authentisch wurden die Präsentationen der Arbeit vor allem dadurch, dass auch die Teilnehmer:innen der Angebote selbst über ihre Erlebnisse berichteten.

„Bei der Bildungsbegleitung müssen beispielsweise die Defizite der Schulen im Lockdown ausgeglichen werden. Dafür müssen Nachhilfelehrer:innen gefunden und eingeübt werden. Mini-Alphabetisierungskurse für kleine Gruppen von Menschen, die nie die Chance für einen Schulbesuch hatten, gehören ebenfalls zur Bildungsarbeit im IBBO. Und langsam kommen auch wieder gemeinsame Veranstaltungen der Begegnung in Gang, die den Besuchern in der Coronakrise gefehlt haben“, erläutert Sergey Sabelnikov, Mitarbeiter des IBBO.

Die ÖFO ist aber auch ein anerkannter Träger für weiterführende Projekte, die über den Rahmen der konventionellen Integrationsarbeit hinausgehen. So ist sie mitverantwortlich für ein Projekt der Stadt Mainz zur demokratischen Aktivierung der Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften. Gerade dort, wo Menschen aus aller Herren Länder zusammenwohnen, ist es eine gute Erfahrung, gemeinsam die eigenen Bedürfnisse artikulieren und vertreten zu können. Und in einem zweiten ungewöhnlichen Projekt im Rahmen des Entwicklungspolitischen Landesnetzwerkes Rheinland-Pfalz (ELAN) e.V. geht es darum, migrantische und „Bio-Deutsche“ Akteur:innen beim Engagement für eine nachhaltige Gestaltung der Gesellschaft wie auch der Weltbeziehungen zu unterstützen.

Schließlich ist das IBBO eine Einrichtung, in der neue Dynamiken erfahren werden, für die es noch keine Konzepte gibt. So steigt die Zahl der Menschen mit ärztlichen Berufen in den Sprachkursen rapide an, akademisch qualifizierte Flüchtlinge kommen mehr denn je zur Beratung. Ihre Berufseinmündung bedarf sorgfältiger Vorbereitung, damit der Rechtsanwalt aus Syrien, wie es konkret erlebt wurde, nicht nur als Bäckergehilfe in Finthen arbeitet. „Wie die Erfahrungen und Kompetenzen dieser Menschen für sie selbst, aber auch für die Gesellschaft hier, gut eingesetzt werden können – das ist eine neue Aufgabe“ resümierte Johanna Nöllgen, stellvertretende Vorsitzende der ÖFO e.V.

So dauerte der Besuch von Ministerin Binz, die in ihrer Begrüßung hervorgehoben hatte, wie wichtig ihr eine gute Integration der Einwanderer in Deutschland ist, deutlich länger als geplant. Die angeregten Gespräche, auch mit dem Beauftragten der Landesregierung für Migration und Integration, Miguel Vicente, der ebenfalls an dem Besuch teilnahm, dauerten noch bis in den frühen Abend hinein.



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