Wo Drückt der Schuh?

Wie die Anfragen an das IBBO die Sorgen der geflüchteten Menschen und anderer Migranten spiegeln.



Die Arbeit mit und für geflüchtete Menschen ist ein weites Feld. Es gibt vor allem die Freiwilligenarbeit, die „von unten“ nach den Bedürfnissen der Menschen frägt, ihre Situationen wahrnimmt, die Einschränkungen und Schikanen der Disziplinierung oder die alltäglichen Formen des Rassismus, unter dem die Migranten leiden, sieht und aus diesen Wahrnehmungen heraus ihre Praxis entwickelt. In den Flüchtlingsräten hat sich diese Graswurzelhilfe institutionalisiert, in vielen Initiativen, die 2015/16 entstanden sind, lebt sie fort. Als „ehrenamtliche“ Tätigkeit wird ihre Nützlichkeit anerkannt.

Die staatlichen Leistungen garantieren das Minimum des Überlebens. Dazu kommen „Programme“, die im Prinzip eine ambivalente Dynamik in Gang setzen. In der Regel gehen diese Programme einerseits immer noch und immer wieder von der Hilfsbe-dürftigkeit der Migranten aus. Dass die Migration selbst eine enorme Leistung ist, die Handlungsfähigkeit verrät, wird übersehen. Bei geflüchteten Menschen ist dies gesteigert der Fall. Andererseits sind solche Programme die Ermöglichungsbedingung für Projekte des bürgerschaftlichen Engagements, das sich ohne finanziellen Rahmen nur noch schlechter nachhaltig organisieren könnte.

Das IBBO ist eine Mixtur der Bedingungen der Flüchtlingsarbeit. Aus dem bürger-schaftlichen Engagement entstanden und von ihm getragen kann, sie nur aus der Nutzung von Programmen leben, freilich auch von Spenden und der Zuwendung aus Stiftungen. Und diese sind ja auch zum bürgerschaftlichen Engagement zu zählen. Die Legitimation für die Beteiligten erhält das IBBO aber noch mehr als von oben aus den Anfragen und der Zufriedenheit von unten, von den Flüchtlingen selbst und den anderen Personen, die das IBBO nutzen. Indem es auf diese Anfragen flexibel und angemessen, das heißt passend, kompetent und engagiert eingeht, entwickelt es Qualität.


Anfragen

Beispiele für Anfragen, die eine sehr spezifische Problemlösung verlangen.


In einer Anfrage aus einem Netzwerk von Engagierten bzw. Personen, die sich an irgendeiner Stelle einmal für ein Engagement bereit erklärt haben, sucht die Netzwerkkoordinierung (dies als Hinweis auf ein Strukturmerkmal der einschlägigen Szene) eine Frau, die beim Deutschlernen und vor allem in der Konversation - üben helfen kann. Es geht um eine junge Frau aus Syrien, die mit Bruder und Vater zusammenwohnt, der es aber an Kontakt zu deutschsprachigen Personen fehlt. Auch bei der Bewältigung von Alltagserfahrungen sucht sie nach Erläuterungen und Erklärungen für das, was sie als aufmerksame Frau in Deutschland lernt. Sie hat schon einen Sprachkurs auf B2-Niveau absolviert, braucht jedoch noch die abschließende Prüfung, die für die weitere berufliche Integration relevant ist. Diese Frau hat für den Kontakt bzw. die Auseinandersetzung mit den Behörden (Jobcenter, Ausländer-behörde) schon professionelle Unterstützung einer Beratungsstelle gefunden. Es geht ihr um Kontakt zu anderen jungen Menschen, mit denen sie Deutsch sprechen und von denen sie etwas lernen kann.


Ich heiße M. S., ich bin 27 Jahre alt und komme aus Syrien. Ich habe mein Medizinstudium in Syrien abgeschlossen, dann habe ich für ein Jahr als Assistenzarzt für Augenheilkunde gearbeitet. Seit 11 Monaten bin ich in Deutschland und jetzt bereite ich mich auf die medizinische Fachsprachprüfung vor. Ich würde gerne wissen, ob ich mit jemanden üben könnte (Sprachpartner). Mein Sprachniveau in Deutsch ist B2. Ich hoffe, dass ich mit jemanden über allgemeine Themen reden könnte, und das Anamnesegespräch führen könnte (wie z.B. Eine Simulation).

Auf den ersten Blick werden Personen, die den anspruchsvollen Kurs B2 absolviert haben, nicht mehr als die typischen „Hilfsbedürftigen“ identifiziert. Sie können sich verständlich machen und frei in der Gesellschaft kommunizieren. Die landläufige Auffassung dazu ist, dass im Lauf der gewöhnlichen Kommunikation in der Sprache Deutsch sich die restlichen Sprachprobleme von allein erledigen. Die Beispiele zeigen aber, dass für qualifizierte Berufe und für eine gute Sicherheit beim Sprechen weitere Kommunikation, die als Übung konzipiert und mit Anleitungen verbunden ist, nicht nur erwünscht, sondern auch notwendig ist. Auch ist die Erfahrung weit verbreitet, dass Einwanderer nach einer gewissen Zeit selbst das Gefühl haben, genügend und richtig Deutsch zu sprechen und sie dann auf diesem Niveau der Sprachbeherrschung stehen bleiben. Dann können die eingeborenen Sprecher und Sprecherinnen sie belächeln; sie bleiben dieser Form der Diskriminierung ausgesetzt. Deshalb reagieren die Mitarbei-terinnen und Mitarbeiter des IBBO positiv auf solche Anfragen und suchen Sprach-partner zu vermitteln. Davon gibt es aber nicht genug.


Manchmal spiegelt die Form der Anfrage recht genau die Situation und die Sorgen wider:


Hallo, Sehr geehrter Damen Mein Name ist a. h. Ich brauche deine Hilfe Ich brauche sprache Partner Mit freundlichen Grüßen A. h.


Viele Anfragen sind vom Problemgehalt her komplizierter und erfordern komplexere Überlegungen zur Unterstützung. So kam von einem Netzwerkpartner im Netzwerk der Mainzer Flüchtlingshilfe folgende Anfrage.


Hallo an alle, wir suchen Unterstützung für eine eritreische Frau, ledig, die mit ihren beiden Kleinkindern alleine lebt. Sie spricht sehr schlecht Deutsch. Sie sucht eine neue Wohnung in Mainz. Gibt es jemand, der/die sie bei der Registrierung bei Wohnbaugesellschaften und evtl. auch bei der Online-Suche nach Wohnungen unterstützen und evtl. auch bei Wohnungs-besichtigungen unterstützen und begleiten würde? Herzliche Grüße H.


In solchen Fällen wenden sich die Mitarbeiter des IBBO an die ehrenamtlich Engagierten, während die hauptamtlich Tätigen die Anfragen bei den Organisationen (Wohnbau usw.) übernehmen. Um eine solche Problemlage wirklich gut bewältigen zu können, bräuchte das IBBO für die umfassende Unterstützung der Person Ressourcen im Umfang einer halben Mitarbeiterstelle.


Mit den Anfragen sitzen wir oft wie viele Flüchtlinge zwischen allen Stühlen. Wir möchten konkret und erfolgreich helfen und sind doch mit einem rechtlichen Rahmen konfrontiert, der uns Grenzen setzt. Ein Beispiel:


Hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, wie ich mich in den letzten Jahren in Deutschland integriert habe. Ich lebe seit 2015 in Deutschland, arbeite seit 2016 und habe seit 2017 einen festen und unbefristeten Vertrag dazu auch einen Minijob-Vertrag. In den letzten Jahren habe ich mich immer an die Gesetze gehalten. Seitdem ich arbeite, verdiene ich meinen Lebensunterhalt selbstständig und ich beziehe nicht einmal Kindergeld. Inzwischen ist mein Sohn, der in Deutschland geboren wurde, 3 Jahre alt, meine Frau ist schwanger. Ich bezahle seit drei Jahren Steuern und habe meinen Führerschein gemacht und ein Auto gekauft. Dennoch wurde im Dezember 2019 mein Asylantrag zum zweiten Mal abgelehnt. Da ich schon nahezu 40 Monate lang in die Rentenversicherung bezahle und zwei Arbeitsverträge besitze, wollte ich fragen, ob ich damit möglicherweise eine Beschäftigungsduldung bekommen könnte. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir helfen könnten.


Mit solchen Situationen beschäftigen sich auch die Härtefallkommissionen, die in den Bundesländern eingerichtet wurden und immer wieder, aber keineswegs flächen-deckend, helfen können. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es eine solche Kommission; sie wird vom zuständigen Ministerium folgendermaßen beschrieben:

Die Härtefallkommission des Landes Rheinland-Pfalz ist ein behördenunabhängiges Sachverständigengremium und besteht aus zwölf Mitgliedern. Die Härtefallkommission prüft im Einzelfall, ob eine vollziehbar ausreisepflichtige Person trotzdem im Bundesgebiet bleiben darf – etwa wegen dringender humanitärer oder persönlicher Gründe. Stellt die Kommission mit Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder fest, dass die Besonderheiten des Einzelfalles für einen weiteren Aufenthalt sprechen, bittet sie das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration in einem so genannten „Härtefallersuchen“, gegenüber der zuständigen Ausländerbehörde die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis anzuordnen. Das Härtefallersuchen hat Empfehlungscharakter. Entspricht das Ministerium diesem Ersuchen, wird die Ausländerbehörde angewiesen, eine Aufenthaltserlaubnis gemäß § 23a Aufenthaltsgesetz zu erteilen. Diese Anordnung kann mit bestimmten Bedingungen oder Auflagen verbunden werden.“


Der Weg in die Härtefallkommission ist hart: die gesamten Umstände müssen detailliert beschrieben werden, Hürden müssen identifiziert und umgangen werden, Gegenargu-mente geprüft und Quellen der Unterstützung bei Arbeitgebern, Vereinen und Schulen gesucht werden. Im Fall der zitierten Anfrage konnten wir, da der Flüchtling mit seiner Familie in Baden-Württemberg lebt, nur Hinweise geben.


Sprachkurse


Die Sprachkursangebote des IBBO werden intensiv nachgefragt, und da sie online bekannt gemacht werden, erreichen das IBBO Anfragen aus den verschiedensten Richtungen. So frägt eine Mitarbeiterin aus der Hauptabteilung Kommunikation Marketing des ZDF:


Guten Morgen, gibt es noch freie Plätze für den angebotenen Sprachkurs? Ich hätte evtl. noch einen Syrer, der beim 1. Mal B2 in der Sprachschule leider nicht geschafft hat und das JC hat ihm jetzt eine Wiederholung angeboten. Aber, wenn er bei Ihnen kostenlos teilnehmen kann, wäre das ja noch besser. Über eine kurze Rückmeldung würde ich mich freuen. Danke und viele Grüße E.


Sehr geehrte/r Damen und Herren ich heiße D. K. Ich möchte gerne Ihre Deutschkursen teilnehmen. Ich wohne in Hamburg und möchte wissen ob Sie in Hamburg eine Büro haben oder gibt es online möglichkeiten? Viele Grüße D. K.


Andere Anfragen kommen direkt von den geflüchteten Personen:


Ich lebe seit 1,5 Jahren mit meiner Familie in Deutschland mit der Entscheidung des Einwanderungsaufenthalts. Ich habe den B1-Kurs erfolgreich bestanden und gehe noch in den B2-Kurs; aber wegen der Pandemie ist mein Kurs online und 3 Tage pro Woche. Ich möchte sofort den B2 Leistungsnachweis machen und als Bauingenieur arbeiten. Aufgrund der Pandemie muss ich meine beruflichen Ziele verschieben. Meine Fragen im Rahmen des Kurses: 1. Werden die Kurse komplett online stattfinden? 2. Ist das Enddatum der Kurse und der Prüfungstermin festgelegt? 3. Ich wohne in einem Dorf außerhalb von Mainz (Urbar 55430). Ist das ein Problem? 4. Ich besuche noch den B2-Kurs, aber die Anzahl der Unterrichtsstunden ist zu gering und meine Freizeit ist zu viel. Wäre es ein Problem, den Kurs zu besuchen? Ich danke Ihnen im Voraus für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen, U.K.


I Want to to learn A2 to B1,The language school i registered said,I should wait until May 5th 2021,I was waiting whole last year and up to know,I can't speak well german language with correct grammar. So I hope i will get some help from your side ,I will really appreciate it.


Sehr geehrte Damen und Herren, ich schreibe Ihnen heute diesen Brief, weil ich ein B2 Deutschkurs melden mochte. mein Name ist M. E. ich wohne in Alzey. Ich habe A2 Bescheinigung aber habe ich B1 zertifikat nicht ,weil meine B1 prufung nach 3 tagen ist . Ich wurde gerne wissenn , wie lange B2 deutschkurs dauern wird. Hiermit schike ich Ihnen die unterlagen nach. MIt freundlichen Grussen


Diese Zuschriften illustrieren nur ein schmales Segment der verschiedensten Situ-ationen, aus denen heraus nahezu täglich Anfragen wegen einer Sprachkursanfrage eingehen. Die Teilnehmerinnen der bisherigen Kurse tragen mit ihren Berichten über die Kurse am IBBO wesentlich zu deren gutem Ruf bei. Ein Faktor ist auch der Umstand, dass die Kurse am IBBO kostenlos sind, weil das Land Rheinland-Pfalz die Kurse finan-ziert. Die Nachfragen dokumentieren überzeugend, dass sich geflüchtete Menschen mit großem Aufwand um den Spracherwerb kümmern und sich dafür engagieren. Gerade geflüchtete Menschen mit einer Ausbildung oder einem Studium investieren viel Energie und Zeit in die Sprachkurse, denn sie wissen, dass ihre berufliche Teilhabe von der sprachlichen Fertigkeit abhängt. Und ein weiterer Umstand wird an den Anfragen sichtbar: Es ist Zufall, ob in der jeweiligen Umgebung des Wohnorts ein passendes Sprachangebot existiert.


Dieser Umstand nimmt eine geradezu skurrile Form an, wenn sich ein Zahnarzt aus Ägypten für einen Sprachkurs bewirbt:


Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bin H. S., lebe zurzeit in Ägypten und arbeite als Zahnarzt und möchte an Ihrem Institut teilnehmen, um an den verfügbaren B2-Deutschkursen teilzunehmen. Ich habe in Ägypten B1 - Telc - Zertifikat bekommen und möchte meine deutschsprachige Reise an Ihrem respektvollen Institut fortsetzen. Der Bescheid habe ich bereits vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung erhalten. Der B2-Kurs ist für mich so wichtig, um meine Berufserlaubnis als Zahnarzt in Deutschland zu bekommen und mein Visum zu beantragen.

Vor diesem Hintergrund möchte ich auch mehr über die Dauer des Kurses, die Gebühren und die Möglichkeit wissen, das Abonnement des Kurses im Falle von Verzögerungen während des Visumprozesses zu verschieben. Auch ob es möglich ist, von der BAMF finanziert zu werden. über eine baldige Antwort würde ich mich sehr freuen. MFG H. S.


Sehr geehrte Damen und Herren, Ich bin Herr E. und ich bin Ausländischer Arzt und ich vorbereite zum Fachsprachenprüfung und ich suche nach Kostenlose Kurs B2 oder C1 , Alltagsprache außerdem wohne ich in Duisburg und würde gerne der Kurs online teilnehmen.

Ich freue mich auf eine baldige Rückmeldung von Ihnen. Mit freundlichen Grüßen E.


Ich heiße M. S., bin 27 Jahre alt und komme aus Syrien. Ich habe mein Medizinstudium in Syrien abgeschlossen, dann habe ich für ein Jahr als Assistenzarzt für Augenheilkunde gearbeitet. Seit 11 Monaten bin ich in Deutschland und jetzt bereite ich mich auf die medizinische Fachsprachprüfung vor. Ich würde gerne wissen, ob ich mit jemanden üben könnte (Sprachpartner). Mein Sprachniveau in Deutsch ist B2.


Diese Anfragen werfen ein Licht auf die sogenannte „Fachkräftestrategie“, mit der seit einiger Zeit Menschen aus aller Welt angeworben werden, wenn sie hier „gebraucht“ werden. Sie investieren den Ertrag ihrer Biografie für den Wechsel nach Deutschland, materiell und vor allem immateriell, werden hier jedoch vor allem nur zur Prüfung ihrer Qualifikation betreut. Begleitung und Unterstützung, um Teilhabe und nicht nur ober-flächliche berufliche Anpassung zu erreichen, fehlen weitgehend. Da fungiert das IBBO, auch wenn es im Fall der Anfrage aus Ägypten direkt nicht helfen konnte, als kleines Zentrum der Fachkräfteintegration.

In der letzten Zeit häufen sich solche Anfragen und wir können sie nicht einfach deshalb abwehren, weil wir schwerpunktmäßig eine Einrichtung der Flüchtlingshilfe sind. Migration aus den verschiedensten Gründen, Einwanderung als Fachkraft oder Flucht – alle diese Wege gelingen und misslingen in jedem Fall auf eine spezifische Weise. Die staatlichen Programme sind Standardleistungen für standardisierte Personengruppen und Problemlagen. Die freiwilligen Organisationen und die ehrenamtlich Engagierten kümmern sich um das, was dabei nicht geregelt ist. Und davon gibt es eine Menge.


Hilfsbereitschaft als Antwort auf Sorgen


Die Anfragen der geflüchteten Menschen zeigen die eine Seite der Flüchtlingsarbeit. Wie steht es aber mit der anderen Seite? Gibt es Menschen, die auf die Anfragen eingehen wollen? Gibt es Menschen, die neben der Arbeit der Organisationen neben diesen oder auch in den Organisationen etwas tun wollen? Erstaunlicherweise macht die ÖFO die Erfahrung, dass immer wieder Personen sich melden und etwas Vernünftiges tun wollen. Ein paar Beispiele:


Ich möchte mich gerne darüber informieren, welche Möglichkeiten es gibt sich bei der ÖFO ehrenamtlich zu engagieren. Ich bin knapp unter 30 Jahre alt, seit zwei Jahren Mainzer und wohne in der Neustadt. Ich arbeite Vollzeit, d.h. ich habe potenziell abends und am Wochenende Zeit. Während meines Studiums habe ich sehr gerne als Tutor gearbeitet. Nach dem Abitur habe ich einen Freiwilligendienst in Mittelamerika gemacht, da habe ich u.a. einen Deutschkurs gegeben. Ich könnte mir also gut vorstellen etwas im Bereich der Wissensvermittlung zu machen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich nicht so recht weiß, welche Aufgaben man als Ehrenamtlicher übernehmen könnte. Deshalb freue ich mich, etwas mehr darüber zu erfahren welche Möglichkeiten es gibt und wo überhaupt Bedarf besteht - während, aber auch nach dem Lockdown. Ich freue mich von euch zu hören.


Guten Tag, mein Name ist L. S., ich bin 29 Jahre und mache Ausbildung als Koch. Ich würde M. A. Nachhilfe geben bis er seine Kochausbildung abgeschlossen hat. Die Lehre ist ohnehin schwer genug, nicht nur ich selbst sondern auch zahlreiche Kolleg*innen haben ähnliche Erfahrungen gemacht.


Die Möglichkeit ausreichend zu lernen, sich auf den Unterricht vorzubereiten, bzw. alle nötigen Lernmittel vom Lehrbetrieb zu erhalten ist leider keine Selbstverständlichkeit.

Das Restaurant in dem Herr A. arbeitet ist dem Restaurant in dem ich zwei Jahre und drei Monate als Kochazubi gelernt habe ähnlich. Die Kapazitäten sich um einen Auszubildenden angemessen zu kümmern sind begrenzt. Da es an Personal mangelt wird mehr Wert auf Arbeitsstunden als auf Schulnoten und Prüfungsvorbereitungslehrgänge gelegt.

Gerne helfe ich Herrn A. dabei seine Noten zu verbessern und seine Ausbildung erfolgreich abzuschließen.


Während die zuletzt zitierte Mail Reaktion auf eine Suchanzeige ist, kommen andere Angebote spontan. Die Verschiedenheit der Motive und Gründe für bürgerschaftliches Engagement ist ähnlich groß wie die Lebenssituationen der geflüchteten Menschen, die nach Unterstützung nachfragen. Hier das richtige Passungsverhältnis zu finden ist dann Aufgabe der Mitarbeiter im IBBO.


Vernetzung


Viele Anfragen kommen von beruflich oder ehrenamtlich engagierten Personen. Auch diese Anfragen dokumentieren die Vielfalt von Notsituationen, aber auch die Diversität der Helferszene. Das IBBO ist ein Knotenpunkt im Netzwerk der Flüchtlingshilfe und wird dieser Funktion auch gerecht:


Liebes IBBO- Team, ich schreibe Ihnen, weil ich mich erkundigen wollte, welche Sprachkursangebote aktuell stattfinden und in welcher Form. Die Angebote könnten für verschiedene unserer Klient:innen interessant sein. Aktuell suche ich v.a. eine Art Konversationskurs für eine 43-jährige Frau aus Afghanistan, die eigentlich schon ein B2 Zertifikat hat, aber der die Sprachpraxis fehlt und deswegen der aktuelle Stand auch nicht auf B2 Niveau ist. Ich freue mich über Informationen. Vielen Dank im Voraus! Mit freundlichen Grüßen S. K. Lernen Fördern Rheinland-Pfalz gGmbH Förderzentrum für Flüchtlinge und Migranten


Hallo - ich bin auf der Suche nach Unterstützung für einen Mitarbeiter, Jahrgang 78, der aus Afghanistan kommt und mit seiner Familie bereits seit 12 Jahren in Mainz lebt. Deutschkenntnisse sind gering und es geht vor allem um das Bewältigen von amtlichen Bescheiden, Jobcenter etc... Die Anstellung bei uns endet im Juli 21 und da wir ihn seit Sept. 20 dabei unterstützen konnten (mehr schlecht als recht aber immerhin;) möchten wir ihm gerne eine Perspektive anbieten, wohin er sich wenden kann. Die Familie lebt in der Berliner Siedlung - deshalb wende ich mich an ihre Institution. Über eine Rückmeldung, ob sie unterstützende Angebote in dieser Richtung anbieten freut sich A.R.


Sehr geehrter Herr Sabelnikov, für den jungen Erwachsenen, der bei Ihnen den Deutschkurs besucht und jetzt die Nachhilfe wahrnimmt, steht ein Hilfeplangespräch an. Die Hilfeziele waren gewesen, dass er darauf hinarbeitet die B1 Qualifikation zu erreichen. Da der Deutschkurs in den letzten Wochen nicht statt finden konnte, waren Sie so entgegenkommend gewesen eine Nachhilfe für ihn bereit zu stellen. Ich bräuchte jetzt für meinen Bericht eine kurze Stellungnahme von Ihnen. Hat er die Nachhilfe zuverlässig in Anspruch genommen? Konnte er Fortschritte machen? Wie sehen Sie die Chancen, dass er im Sommer den B1 Kurs schaffen wird? Wo sind eventuelle Hürden? Welche weiteren Hilfen benötigt er, um sein Ziel zu erreichen. Falls Sie Fragen haben, können Sie mich ab Montag erreichen. Vielen herzlichen Dank für Ihre bisherige Unterstützung! Herzliche Grüße C.H. (Dipl. Sozialpädagogin) Stiftung Juvente Mainz.


Die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen der Flüchtlingshilfe ist nicht selbst-verständlich. In diesem Feld gibt es wie in anderen Arenen der Wohlfahrt Konkurrenz und Missgunst. Die Zusammenarbeit geschieht gelegentlich zur Sicherung des eigenen Einflusses, gelegentlich zur eigenen Weiterentwicklung. Aber die Beispiele zeigen auch ein funktionales Miteinander bei der fallbezogenen Ergänzung. So erhalten die unbe-gleiteten minderjährigen Flüchtlinge in der Obhut von Jugendhilfeeinrichtungen Unterstützung in den Angeboten der Bildungsförderung.


Viele Anfragen kommen von save me Mainz, einer Freiwilligenorganisationen mit vielen Aktivitäten.


eine Frau aus Afghanistan sucht Unterstützung beim Online Deutschkurs. Es ist ein B2 Kurs, sie spricht schon recht gut Deutsch, muss aber noch viel üben. Wer möchte sich mit N. in Verbindung setzen? Die Hilfe kann natürlich auch online stattfinden oder draußen. Viele Grüße Euer Save me Mainz Team


Save me funktioniert auch als Vermittlungsstelle von Anfragen. So wendet sich die Mitarbeiterin von „Lernen Fördern Rheinland-Pfalz gGmbH“ an save me und save me schickt die Anfrage an das IBBO weiter:


Hallo liebe Save me Menschen, ich schreibe euch, weil ich für eine Teilnehmerin unseres Projekts eine Person suche, die Lust hat auf ein Tandem Deutsch-Farsi oder einfach auf Deutsch Konversation. Die Frau hat eigentlich ein B2 Zertifikat, hatte aber in letzter Zeit wenig Sprachpraxis und würde gerne wieder mehr Sprechen üben. Sie ist 43 Jahre alt und kommt aus Afghanistan. Vielleicht findet sich ja jemand die/der Lust hätte? Wenn ja, gerne bei mir melden, dann würde ich den Kontakt herstellen. Vielen Dank im Voraus und beste Grüße, S.


Ende gut – manches gut


Der nachfolgend berichtete Austausch von Mailnachrichten bzw. die Smartphon-Kommunikation illustriert zum Ende dieses Berichts, dass die Bemühungen des IBBO, für jede Anfrage eine Unterstützung zu organisieren, erfolgreich sind. Es geht hier um die Kommunikation mit einer Juristin beim Finanzamt Frankfurt, die als Ehrenamtlerin eine Kursteilnehmerin auf die C1-Prüfung unterstützend vorbereitet hat.


[14:45, 10.6.2021] Sergey Sabelnikov: Hi Jenny, Iram hat jetzt dank ihrem C1 Zertifikat ihr unbefristetes Aufenthaltsrecht (Niederlassungserlaubnis) erlangt. [14:47, 10.6.2021] J. B.: Sehr schön, das freut mich! Ich war vor zwei Wochen sogar bei ihr und wir haben gekocht ☺️ [14:48, 10.6.2021] Sergey Sabelnikov: Hast du eigentlich noch Kapazitäten für weitere Leute, welche du begleiten kannst? [14:53, 10.6.2021] J. B.: Ich spreche aktuell noch regelmäßig mit Nurdan. Sie hat zwar ihre Prüfung hinter sich, hatte mich aber gefragt, ob wir trotzdem weitermachen können und da habe ich ihr bereits zugesagt. Es wird daher momentan zeitlich eher knapp für mich, zumindest wenn jemand jede Woche mit mir sprechen möchte. Aber was ich jederzeit machen kann, ist zB Texte korrigieren, wenn jemand vielleicht überwiegend Hilfe beim Schreiben braucht. [14:54, 10.6.2021] Sergey Sabelnikov: Alles klar, weiß ich Bescheid, danke dir! [14:56, 10.6.2021] J. B.: Gerne!



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